Aktuelles - Berichte vom Fest "Von Babylon nach Riehl" am 21. April 2018


Beeindruckendes Nachbarschaftsfest des Runden Tisch Riehl

 

Es ist ein herrlicher Sonnentag und viele Menschen genießen das Nachbarschaftsfest „Von Babylon nach Riehl“, das für den 21.04.2018 vom Runden Tisch Riehl geplant und organisiert wurde. Musik, Workshops, Theater, Buffett - Rund um die gesperrte Garthestraße gibt es zahllose Angebote von und für Riehler, Nachbarn, Alt-Kölner, Neu-Kölner. Auf dem Schulhof findet eine Kinderolympiade von DJK Löwe und dem Runden Tisch statt, Kinderschminken vom Jugendrotkreuz, auf einem anderen Hof einen Flohmarkt für Kinderkleidung und Spielzeug. Man kann sich in Kalligrafie üben und in anderen Sprachen und Schriften schreiben lernen. Im Zirkuszelt gibt es Lesungen von Kinderbüchern in verschiedenen Sprachen. Gerade hoppelt ein Hase auf Deutsch und Arabisch durch den Wald. Das Lied „Unsere Stammbaum“ von Bläck Fööss wurde übersetzt und nun flattert der Text in vielen Sprachen im sommerlichen Wind.
Herzstück und Herzensanliegen vom Runden Tisch Riehl sind die Workshops. „Sonst helfen wir Geflüchteten, jetzt zeigen sie, was sie können. Das ist dann nicht mehr ‚Babylon‘, denn wir verständigen uns über Musik, Pantomime, Kunst, Geschmack und Sprachen.“, freut sich Mitorganisator Walter Eumann. Das Angebot ist groß und die Workshop-teilnehmer*innen zeigen beim Bühnenprogramm, was sie in den zwei Stunden erarbeitet haben. Die Zuschauer können beispielsweise darüber staunen, auf wie viele verschiedene Arten sich Menschen begrüßen können. Andere junge Schauspieler geben einen Einblick, was sie im Deutschkurs gelernt und empfunden haben. Wie schwer ihnen die Laute und Worte fallen und wie sie die Schwierigkeiten meistern. „Der Morgen zeigt sich wunderbar. Leben, leben. Leben!“, beschließen sie ihren eindrucksvollen Auftritt.

 

Verbundenheit
Das persische Gedicht „Verbundenheit“ hängt auf Farsi bei den Vereinten Nationen in New York. Dieses Gedicht von Saadi aus dem 13. Jahrhundert - in Persien kennt es jedes Kind - wurde bei einem Workshop vertont und nun auf der Bühne präsentiert, in Farsi und auf Deutsch. Auf einem Banner prangt der übersetzte Text über den Musikern. Das Publikum ist gerührt und begeistert.
In der Unterkirche gibt es eine Begegnung mit Riehler Künstlerinnen und Künstlern. Dort kann man die Themenausstellung „Heimat“ besuchen und sich von Fotos, Bildern, Videoprojektionen und Dioramen inspirieren lassen.
Auch beim Essen findet man Babylon und Riehl – und alles dazwischen: afrikanisches Hähnchen vom Grill mit Couscous, Reibekuchen, Marmeladen, äthiopische Injerafladen mit scharfer Tomatensoße, Pasta und ein üppiges Kuchenbuffet frisch aus Riehls Backöfen. Die längste Schlange aber wartet immer am Eisstand.
Die Umsetzung der Pläne und Ideen machten die Veranstaltungskaufleute im zweiten Lehrjahr des Joseph-Dumont-Berufskollegs mit ihren Lehrerinnen Susanne Gehlen und Karin Sherry-Fuchs. Man sieht sie geschäftig auf dem Fest arbeiten. Im Lehrplan heißt das „ein großes realistisches Projekt“ organisieren – und das ist ihnen sehr gut gelungen.

Verbundenheit
Die Menschen sind Glieder miteinander verwoben,
Von gleichem Stoff aus der Schöpfung gehoben.
Hat das Leben ein Glied mit Schmerz versehen,
Die anderen Glieder vor Leid vergehen.
Du, der kein Mitleid mit anderen kennt,
Bist unwürdig, dass man dich einen Menschen nennt.

 

Saadi,13. Jhrh

 

Wunschfahnen
Auf der Bühne werden jetzt bunte Fahnen hochgehalten. „Ich wünsche mir viele Freunde fürs Leben“, sagt Leni mutig und zeigt auf ihr Fähnchen, das sie im Workshop Wunschfahnen auf dem Straßenfest gestaltet hat. Nico bedankt sich bei seiner Familie mit einer Fahne und einer ergreifenden Rede: „Die Familie ist so wichtig, das dürfen wir nicht vergessen.“ An vielen Stellen rund um die Garthestraße sieht man die bunten Fahnen flattern. Sie zeigen wichtige, nicht materielle Wünsche der Besucher und erzählen viel über die Lebenswelten der Gäste und Akteure. Tamim wünscht sich „Frieden und Liebe für die Deutschen“. Der Moderator Robert Greven greift die wehenden Wünsche auf: „Wir alle wollen Frieden. Die Menschen hier geben euch ein Lachen. Nehmt sie mit offenen Armen auf!“

 

Schmetterling
Vor der Bühne stehen aufgeregt zwei Mädchen mit großen Schmetterlingen, die das Stück umrahmen werden. Auf der Bühne kündigt Robert Greven ein Highlight des Bühnenprogramms an: das Lied „Schmetterling“. Zuerst stellt er Elvis Furtuna vor. Er ist erfolgreicher Musikproduzent, musste aber sein Land verlassen. Nun macht der Albaner hier eine Lehre in einer Bäckerei. „Unser Motto heute lautet ja: Du kannst was, ich kann was, lass uns was zusammen machen! Was jetzt kommt ist ein Beispiel dafür, was Geflüchtete an Kultur mitbringen“. Im Workshop hat eine Gruppe zusammen das Lied „Schmetterling“ geschrieben und die Musik dazu komponiert. Mit Profi Elvis an ihrer Seite haben sie das Stück produziert und in verschiedenen Sprachen eingesungen: Albanisch, Romanes, Kurdisch, Arabisch, Farsi, Deutsch und Englisch. Walter Eumann singt begeistert mit. Das Publikum klatscht.
Dass so viele Flüchtlinge bei den Workshops mitmachen oder als Besucher dabei sind, ist auch das Verdienst der Heimleitungen der beiden Einrichtungen in Riehl, die das Projekt tatkräftig unterstützt haben. Auch die Sanitäter vom DRK tragen zum Gelingen bei.
Ein Fest von allen für alle – ein wunderbarer Tag, der den Nachbarn aus vielen Nationen als schönes Fest in Erinnerung bleiben wird.

 

Anne Kleiber vom DRK Köln


 Sieben Sprachen und zwei bunte Schmetterlinge

 

Schmetterling, ich möchte fliegen wie ein Schmetterling, bunt und frei mit dem Wind“ und „Butterfly, high in the sky, butterfly“. So der Refrain auf Deutsch und Englisch.

 

In den Strophen erzählen Menschen, woher sie kommen, warum sie ihre Heimat verlassen mussten, wie sie jetzt leben und was ihre Wünsche für die Zukunft sind: Selena und Ermela auf Albanisch, dann ein Roma in seiner Sprache Romanes, ein Kurde in Kurdisch, ein Syrer auf Arabisch und Fatima aus dem Iran auf Farsi. Verstehen kann nur, wer die Sprache spricht. Fragt neue Nachbarn, ob sie euch beim Übersetzen helfen.

 

Produziert und die Instrumente eingespielt hat Elvis Furtuna, der mit seiner Familie seit 2014 in einem Flüchtlingsheim in Riehl lebt. In Albanien war er Musikproduzent, heute ist er Auszubildender bei Merzenich.

 

Gemeinsam hatten wir die Idee, ein eigenes Lied in verschiedenen Sprachen zu schreiben und aufzunehmen. Das Ergebnis unseres Workshops war bei unserem Nachbarschaftsfest „Von Babylon nach Riehl“ zu hören und auch zu sehen:

 

Vor der Bühne flatterten zwei große Schmetterlinge - danke an Ester und Giovanna! Fotos vom Fest auf unserer Homepage.

 

Das Wichtigste: Das Lied könnt ihr hören auf www.runder-tisch-riehl.de, dann Mediathek, dann Schmetterling. Schreibt gerne an runder.tisch.riehl@gmail.com, ob es euch gefällt.

 

Für den Workshop „Schmetterling“:

Walter Eumann


 Über den Tellerand

 

zu kochen hatten sich gut zehn Teilnehmer/innen beim Nachbarschaftsfest „Von Babylon nach Riehl“ vorgenommen. Unterstützt von Jana, Jennifer und dem afghanischen Koch Faroq des “Über den Tellerrand kochen Köln e.V.“ wurde die Küche im Jugendheim von Benny aus Guinea, Mosa aus Syrien, Sabeha aus dem Irak, Rahad aus Bangladesh sowie einigen Riehler Köchen genutzt, um zusammen ein Lammcurry, Hühnchen, Lasagne mit Süßkartoffeln sowie verschiedene Gemüse und Salate zuzubereiten. Es war genug, um mit Freunden und Gästen bei strahlendem Sonnenschein anschließend das Gekochte zu genießen.

 

Seit 2013 trägt der Verein „Über den Tellerrand“ in Berlin, 30 weiteren Städten und auf seiner Sommerreise durch deutsche Provinzstädte dazu bei, dass sich Geflüchtete und Deutsche begegnen, austauschen, sprechen, anfreunden, indem sie gemeinsam kochen und essen. (www.ueberdentellerrand.org). Ihr sehr schön gestaltetes Kochbuch „eine Prise Heimat“ bietet neben köstlichen Rezepten auch Porträts der beteiligten Menschen mit ihren persönlichen Geschichten. Im Ö-Treff kann das Buch samstags auf Nachfrage gerne für 30 € erworben werden.

 

Für die Kochgruppe:

Gudrun Kirch


 Starke Kinder

 

Für Kinder gab es ein vielfältiges Programm auf dem Schulhof der Grundschulen.

Auch hier galt das Motto des Festes:

 

Du kannst was, ich kann was, lass uns was zusammen machen!“

 

Viele Kinder ließen sich von fünf netten jungen Damen des Jugendrotkreuzes zur Einstimmung schminken, bevor sie dann selbst richtig aktiv wurden.

 

Auf dem ausgerollten Manegenteppich konnten sie unter Anleitung von Zirkuspädagogen des ZAK (Zirkus- und Artistikzentrum Köln) unterschiedliche Zirkustechniken ausprobieren: Auf einer Kugel balancieren, über ein Drahtseil laufen, Teller andrehen, mit Tüchern und Bällen jonglieren, Diabolos zum Tanzen bringen und einiges mehr.

 

In der Sporthalle führte die Tanzpädagogin Stefanie Schwimmbeck einen Workshop durch, in dem eine Gruppe tanzinteressierter Kinder sich mit dem Thema Reisen und ferne Länder beschäftigte. Die kurze Aufführung der erlernten Tänze vor Publikum wurde mit viel Applaus gefeiert.

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Außerdem gab es über den Schulhof verteilt einen Parcours mit sechs verschiedenen Stationen, organisiert und angeleitet von Ehrenamtlichen des Runden Tisches Riehl und des Vereins DJK Löwe.

Zielwerfen, Seilchenspringen, Balancieren über ein Klettergerüst oder das Bewältigen einer Hindernisstrecke mit verbundenen Augen – diese Aufgaben konnten größere Kinder in Partnerarbeit gemeinsam lösen. Bei den Kleinsten war manchmal die Ermutigung und Unterstützung der Eltern gefragt.

Am Ende des Parcours gab es für alle Kinder eine kleine Belohnung aus der Aktion „Kinder stark machen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und für die Eltern Infomaterial mit Ideen und Vorschlägen für weitere gemeinsame Aktionen.

 

Allen Unterstützern des Kinderprogramms herzlichen Dank!

 

Für alle, die am Kinderprogramm beteiligt waren:

Christa Eumann